Kategorie-Archiv: Nachgedacht

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Übermorgen – Internetkultur in der Offline-Welt

Es gibt 10 verschiedene Welten, die reale Welt und die virtuelle Welt. Und wir Menschen leben in beiden von ihnen. Facebook und YouTube gehören zu unserem Alltag dazu wie der Weg zum Supermarkt und das Abendbrot. Was aber, wenn sich diese Welten vermischen?

Oder ist es bereits die Verschmelzung zweier Welten, die wir beobachten können, wenn wir im Bus eine SMS schreiben und unseren Facebook-Status aktualisieren, lieber Textnachrichten versenden, als zu telefonieren und lieber telefonieren, als unseren eigenen Wohlfühlbereich zu verlassen und persönlich zu kommunizieren…?  Was geschieht mit uns, auf dem Grat zwischen worldwide web und der Realität? Unsere virtuelle Fassade wird zum Mittelpunkt unseres Lebens und der eigentliche Mensch reduziert sich auf die lebenserhaltenden Funktionen.
Wir sind online!
Wenn man uns ließe, würden wir ein Leben wie in Disneys Tron führen. Kein Hunger, kein Durst und keine Müdigkeit. Dafür grenzenloser Informationsfluss – was für ein Tausch! Betrachten wir die virtuelle Welt nun als ein komplexes Ökosystem, in dem ein jedes Lebewesen seine Nische findet, so müssen wir auch die Zugehörigkeit eines jeden sich in der virtuellen Welt bewegenden Menschen zu einer der immer stärker werdenden Szenen annehmen. Jedoch hat sich in meinem Gedankenspiel auch der Szene-Begriff gewandelt.
Während die Mehrheit heutzutage in Menschen, die sich in Szenen beheimatet fühlen, noch Abtrünnige der großen Weltgemeinschaft sieht, die sich aufgrund einer bestimmten Lebenseinstellung, einer bevorzugten Musikrichtung verbunden mit einer Art, sich zu kleiden oder einem gemeinsamen Hobby sehen, spreche ich von Abspaltungen in jeder nur erdenklichen Form. Gehört man einer an, so spielt der Toleranzgedanke keine Rolle mehr. Man bleibt unter sich: Viel zu fremd und  beängstigend wirken auf einmal alle anderen.
Schon ein wenig merkwürdig sich das so vorzustellen, oder? Auf die Spitze getrieben hat die Idee das Format Übermorgen.TV. Was denkt ihr darüber?

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Ars Poetica – Ein Dichter kommt selten allein

Stimmt. Will man einen Poetry Slam veranstalten, braucht man gut und gern eine Hand voll Poeten, die ihre Texte vor einem begeisterungsfähigen und aktiven Publikum präsentieren. Poetry Slam (poetry= Poesie, to slam = zuknallen, jmd. heruntermachen) ist eine Form des Dichterwettstreits, die erstmals in 1986 in Chicago durchgeführt wurde. Ab Anfang der 90er Jahre verbreitete sich der Poetry Slam in der ganzen Welt. Heute werden in vielen Ländern regelmäßig Slams und sogar Slam-Meisterschaften durchgeführt; Slam-Poeten sind fester Bestandteil der jungen Kultur.

Wer slamt?

Häufig darf sich vor einem Slam jeder, der am Wettbewerb teilnehmen möchte, in eine offene Liste eintragen. Allerdings gibt es auch Veranstaltungen, auf denen vom Veranstalter geladene Gäste gegeneinander antreten.

Wo wird geslamt?

Meist auf einer Bühne. Und wenn keine Bühne da ist, stellt man sich halt so vor das Publikum.

Wie wird geslamt?

Die Poeten tragen in zufällig bestimmter Reihenfolge ihre Beiträge vor. Dabei steht ihnen ein Zeitkontingent von meist 6 Minuten zur Verfügung. Sie dürfen keine Requisiten wie Instrumente oder Verkleidungen verwenden. Es zählt einzig und allein das gesprochene Wort und die dazugehörige Performance. Auch Singen ist nicht erlaubt.

Eine gute Performance zeichnet sich durch lebhaften, sicheren Vortrag aus, wobei Gedichte meist auswendig vorgetragen, Texte jedoch gelesen werden.

Die Beiträge müssen selbst geschrieben sein und sind so verschieden wie die Slammer selbst: ernst, lustig, melancholisch, wehmütig, wütend, verzweifelt, drastisch, ironisch, hysterisch, kritisch oder albern. Erlaubt ist, was gefällt. Ungern gehört werden Fäkalsprache und Schmähtexte gegen Einzelpersonen, etwa andere Slammer.

Beliebt hingegen sind beispielsweise Texte mit politischem Inhalt und den Themen Liebe oder Gesellschaft.

Wer gewinnt?

In Deutschland ist es sehr verbreitet, dass der Gewinner von den Zuschauern bestimmt wird. Die gängigsten Methoden zur Findung des Sieges sind die Messung des Applauses oder das Hochhalten von zufällig im Publikum verteilten Punktekarten von eins bis zehn. In Amerika wird oft auch eine fünfköpfige Jury eingesetzt.

Die Beliebtheit von Poetry Slam hat seit seiner Etablierung in Deutschland stetig zugenommen. Immer mehr Menschen, meist u30, begeistern sich für diese neue Form der Poesie. Gründe dafür sind wahrscheinlich vor allem die Aktualität der Themen, der Facettenreichtum und  die lebhafte, interaktive Stimmung auf den Veranstaltungen. Poetry Slam macht Spaß, ob als Slammer oder als Zuschauer, und lässt langsam aber sicher ein völlig neues Sprachgefühl entstehen.

Es gibt bereits viele namenhafte Slampoeten. Hier eine kleine Liste liebevoll ausgewählter sehr guter Beiträge, die es sich zu gucken lohnt, wenn man sich ein Bild davon machen will, was einem auf einem Slam erwartet:


Sulaiman Masomi
mit „Ein Kanacke sieht rot“ – Angucken, kranklachen!

Sebastian23 mit „online sein“ im WDR Fernsehen. Nebenbei bemerkt: herrlich, wie er den Moderator auf die Schippe nimmt!

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doof_it_yourself

Das Geheimnis glücklicher Kinder

Dumm, dreist und fett – sind wir wirklich so bescheuert?

Man möchte es annehmen.  Von allen Seiten prasseln die erschütternden Nachrichten auf uns ein:  Jugendliche, die ihre Mitschüler erpressen und alte Damen berauben, 1,90m große 15-jährige Kerle, die ihre Mutter verprügeln und ganze Cliquen, die Kaninchen bei lebendigem Leib an Kirchentüren nageln, halten die Welt in Atem.

Vor den Fernsehern lachen Pro7-Zuschauer über zitternde Grünschnäbel, die nicht mit ihren Computer-Entzug klarkommen und schütteln ungläubig mit dem Kopf, wenn Jana-Linea, 17, erklärt, sie verstehe gar nicht, warum sie sich einen Job suchen solle.

Ich gebe zu, all diese Tatsachen sprechen nicht gerade für meine Generation.  Auch mich beschämen sie, weil sie grausam, hirnrissig und nicht nachvollziehbar sind.  Manchmal fühle ich mich mitverantwortlich, häufig jedoch erwische ich mich dabei, wie ich mich äußerst abfällig, geradezu hämisch über meine Mitmenschen äußere.

Aha, wird es jetzt vielleicht heißen. Noch so eine. Sie ist schon gekippt. Ist sie nicht. Denn wenn ich etwas vermeiden möchte, dann ist es, in dasselbe Horn zu tuten wie ein Großteil der Generation vor mir.

Glaubt man dessen klugen Reden, ist den Kindern und Jugendlichen von heute nicht mehr zu helfen. Gar nicht früh genug kann betont werden, wie verkorkst wir sind; Pisa und die Supernanny sind in aller Munde. Alles, was meine Generation interessiert, ist Spaß in Form von Partys und Saufgelagen. Fernsehen und Zocken (am liebsten schießen wir stundenlang virtuelle Menschen tot) ist auch noch ganz lustig.  Richtig sprechen können wir schon lange  nicht mehr. „Tut mir voll sorry, Digga. Yo!“

Der Heranwachsende von heute wird permanent damit konfrontiert, was er alles nicht leistet. Eines meiner Hauptziele bei jedem Stadtbummel sind, seit ich denken kann, die großen Buchläden meiner Stadt. Will ich in meine Lieblingsabteilung, die Newcomer-Ecke, in der ausschließlich die Werke junger, vielversprechender Autoren ausliegen, muss ich am Bestseller-Regal vorbei. Was im Mai 2008 mit „Generation Doof. Wie blöd sind wir eigentlich?“ begann, wurde bis heute, August 2010 fleißig weitergeführt: „Niveau ist keine Hautcreme: Gepflegte Sprüche für alle Lebenslagen“, „Die verblödete Republik: Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen“, „Doof it yourself: Erste Hilfe für die Generation Doof“… Und die Buchtitel werden reißerischer:  „Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit“ fand ich persönlich besonders frappierend. Tyrannen also. Ihr mich auch! Gleich neben den Erziehungs- und Bildungsratgebern stehen die neusten Erkenntnisse darüber, wie man sich gesund ernährt und endlich sein Lebensglück findet.Klar, was soll man auch sonst vermarkten, in einer Gesellschaft aus fetten, dummen, schlecht erzogenen Trauerklößen?!

Ich sehe  ja ein, dass Probleme benannt werden müssen, wenn sie offensichtlich sind. Nur so kann gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werden. Aber ist die heutzutage so gern angewandte Methode der Generalisierung nicht unfair dem beachtlichen Teil  junger Leuten gegenüber, die bemüht sind, einen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft zu leisten und bereits sehr konkret an Lösungen arbeiten? Manche unter ihnen härter als der selbst ernannte Experte, der bei „Brennpunkt“ schlau aus der Wäsche guckt?

Schon einige unsere Jüngsten engagieren sich in den Greenteams von Greenpeace. Später werden sie vielleicht versuchen,  über Amnesty International mithilfe von Protest-Briefen unschuldige Menschen auf Gefängnissen zu befreien.

Wir übernehmen Ehrenämter in der Jugendarbeit, nehmen erfolgreich an Jugend musiziert und Jugend forscht teil, debattieren und führen Planspiele durch. Wir treten Parteien bei und Demonstrieren für unsere Rechte. Wir erfinden völlig neue Kunstformen, Musikrichtungen und Tanzstile. Nebenbei wage ich zu behaupten, dass wir die fitteste Generation am Computer sind. Ist das alles denn so wenig wert, dass es nicht erwähnt werden muss?

Sicher nicht, aber es ist einfacher (und profitabler), über Missstände zu schreiben und sich an Büchern dieser Art eine goldenen Nase zu verdienen. Dann kann man sich nämlich zurücklehnen und beruhigt sein, seinen Teil zum gesellschaftlichen Leben beigetragen zu haben.

Wenn wir die Zukunft dieses Landes sind, dann sollte man sich auch für uns interessieren. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung vieler verfügen wir durchaus über eine Meinung, Interessen und Kultur. Wer uns nicht versteht, hört nicht richtig zu, denn wir sind sehr direkt. Und wer sich über unsere Halbstarken-Allüren und „die Jugend von heute“ beschwert, der möge sich doch bitte mal in seiner Generation umsehen. Wo können wir uns das bloß abgeschaut haben?

Wie wäre es denn, uns ab und an auch mal zu loben für das, was wir bereits leisten? Führende Erziehungswissenschaftler sind der Meinung, dass ein Kind für jeden Tadel, den es einstecken muss, fünf Mal gelobt werden sollte, damit es glücklich aufwächst.  Wenn das so ist, muss sich hier einiges ändern.

Am besten schaffen wir erst einmal diese ganzen Mecker-Bücher ab.  Sie werden nicht mehr gebraucht. Die Probleme sind bekannt und warten darauf, dass sie an der Wurzel gepackt und beseitigt werden.  Wer den Finger in die Wunde legt, der reinige und verbinde sie anschließend gefälligst auch. Und Scherben aufkehren nicht vergessen!

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Ego-Shooter gut fürs Gehirn?

Die Zeiten, in denen man Computerspiele per se verteufelte, sind vorbei. Niemand wird heute noch bestreiten, dass das Spielen am Computer sehr wohl auch positive Effekte hat. Nur in diesem Zusammenhang denkt man meist an komplexe Rollen- oder Strategiespiele, in denen es knifflige Rätsel zu lösen oder ausgetüftelte Taktiken anzuwenden gilt. Dass eine amerikanische Studie nun beweist, ausgerechnet die von den Medien so oft als Killerspiele schlechtgemachten Ego-Shooter hätten eine positive Wirkung auf das Gehirn, überrascht ein wenig.

Das Fazit der Studie ist deutlich: Geübte Spieler von Ego-Shootern können die verschiedenen Sinneseindrücke rascher verarbeiten und dadurch schnellere Entscheidungen treffen.

Im Versuch wurde eine Gruppe von Nicht-Spielern aufgeteilt: Die eine Gruppe spielte innerhalb der nächsten Wochen Rollen- und Strategiespiele, die andere Gruppe ausschließlich Shooter wie Counter-Strike, CoD, RtCW, Unreal Tournament. Die anschließenden Tests wurden von den Shooter-Spielern schneller absolviert, ohne deswegen mehr Fehler zu machen. Diese Verbesserung zeigte sich auch bei Spielern, die nach eigener Aussage Action-Spiele nicht leiden konnten. Eine verbesserte Wahrnehmung und die Fähigkeit, schneller Entscheidungen zu treffen, ist durchaus im Alltag nützlich. Man denke nur an so gewöhnliche Tätigkeiten wie Autofahren, bei der Sekundenbruchteile über Kollsionen entscheiden.

Aber was ist nun mit den Strategie-, Rollen- oder Lernspielen? Warum nützen die nichts? Nach Einschätzung der Wissenschaftler trainieren diese – im Gegensatz zu den Shootern – lediglich ein bestimmtes Muster. Man lernt einmal einen Lösungsweg und wendet diesen dann, nur leicht abgeändert, immer wieder an. Shooter hingegen sind unvorhersehbar und fordern jedes Mal aufs Neue heraus.

Soweit die amerikanische Studie. Meine Meinung dazu ist etwas kritischer. Die Teilnehmer des Versuches spielten nämlich 50 Stunden in der Woche – das ist alles andere als wenig. Über mehrere Wochen durchschnittlich 7 Stunden pro Tag vor dem Computer zu sitzen und einen Ego-Shooter zu spielen, stelle ich mir richtig anstrengend vor. Auch geht aus der Studie nicht hervor, wie lange die Probanden nach Beendigung des Versuches über eine schnellere Entscheidungsfähigkeit verfügen. Dieser positive Effekt ist sicherlich nicht dauerhaft. Ich stelle mir vor, nach einem Monat des Nicht-Spielens ist wieder alles beim Alten.

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Gewalt in Computerspielen – eine Gegendarstellung

Nachdem Fabian letzte Woche das Thema Gewalt in Computerspielen aufgegriffen hat, möchte ich nun auch zu dem Thema und im Besonderen zur angesprochenen Reportage von FrauTV, die der Aufhänger des Ganzen war, meine Meinung kundtun.

Für mich reiht sich diese Fernsehreportage nahtlos in die bisherige schlechte Berichterstattung über Computerspiele ein. Bei einer Sendung mit dem Namen FrauTV, dem Titel “Gewalt in Computerspielen gegen Frauen” und einer etwas älteren Dame vom Typus Oma als Expertin, dürfte die Zielgruppe ziemlich klar sein: Frauen, genauer gesagt: Mütter.

Ich bin stark dafür, dass sich Mütter mehr damit auseinandersetzen, was ihre Kinder so am Computer treiben. Aber das erreicht man immer noch am ehesten, indem in der Familie das Thema Gewalt & Computer offen angesprochen wird. Zudem finde ich es gut, wenn Frauen wie Regine Pfeifer sich tiefer mit dem Thema auseinandersetzen, Vorträge halten und aufklären wollen. Nur diese Sendung hingegen ist reine Panikmache und polemische Hetze, die Halbwahrheiten verbreitet, die Realität verzerrt und dem eigentlichen Problem gekonnt aus dem Weg geht.

Halbwahrheiten werden insofern verbreiten, als die in der Sendung gezeigten Spielausschnitte, welche in der Tat nur so vor Blut strotzen, aus den amerikanischen Uncut-Versionen stammen. Diese sind in Deutschland jedoch entweder ab 18 oder indiziert; dürfen also weder an minderjährige verkauft noch öffentlich beworben werden! Wahr ist hingegen, dass von diesen Spielen meist ebenfalls eine entschärfte „ab 16“-Version existiert – dann aber ohne Blut und mit weniger Gewaltdarstellungen.

Die gezeigten Spielszenen – Frauen abstechen, erschießen, quälen, usw. – passen ideal zur reißerischen Berichterstattung, sind aber völlig aus dem jeweiligen Spielkontext gerissen und vermitteln dadurch ein falsches Bild, was Fabian schon in seinem Artikel herausgearbeitet hat. Das Thema “Gewalt in Computerspielen” ist anscheinend schon zu alt, um damit noch für Aufregung zu sorgen, also legten die Redakteure noch einmal nach und machten kurzerhand “Gewalt gegen Frauen in Computerspielen” daraus, um wieder ein paar Zuseher vor den Fernseher zu locken.

Ich will Gewalt nicht verharmlosen, schon gar nicht gegen Frauen. Fakt ist jedoch, dass Gewalt an sich ein Thema ist, das viel zu wichtig, viel zu weitreichend ist, um es nur auf Computerspiele oder gar nur auf Frauen zu beschränken. So wird man das Problem nicht lösen. Es fängt bei der lächerlichen Berichterstattung so mancher Zeitungen an, geht weiter beim Fernsehen, dessen Inhalte vermehrt auf Unterhaltung durch Gewalt ausgelegt sind, geht weiter bei Musik à la “Frauenarzt”, Kinofilme, wo Goreschocker wie “Saw” und “Hostel” gerade boomen, und endet über lange Sicht bestimmt nicht bei den Computerspielen. Gewalt in den Medien ist ein Phänomen unserer Zeit; sie ist omnipräsent, weil sie die Nachfrage danach nicht stagniert. Um hier etwas zu verändern, sollte sich jeder selbst einmal im Stillen fragen, warum er so etwas konsumiert und ob es wirklich nötig ist, sich täglich von allen Seiten mit Gewalt berieseln zu lassen.

Auch der Jugendschutz ist, wie er hier in der Reportage aufgegriffen wird, wie immer so ein leidiges Thema. Zwar existierten Gesetze, um Heranwachsende zu schützen, diese seien aber angeblich so einfach zu umgehen, dass sie wirkungslos wären. Das wird nicht nur im Bezug auf Gewaltspiele oft so behauptet, sondern lässt sich allgemein auf fast jede Altersbeschränkung übertragen: sei es nun Alkohol, Tabak, Pornografie oder was auch immer. Wer sonst, wenn nicht die Eltern, sind hier in ihrer Aufsichtspflicht gefragt? Der Überwachungsstaat?

Wir sind eine Generation, die sich glücklich schätzen kann, Krieg und Terrorismus nie persönlich miterlebt zu haben. Auch wenn uns die Medien durch einseitige Berichterstattung über Amokläufer, missratene Familien in Talkshows, usw. vom Gegenteil überzeugen wollen – die Wahrheit ist doch, dass wir im Moment in einer Gesellschaft leben, die so gewaltlos ist, wie schon lange nicht mehr.
Im Anbetracht dessen kann ich es ruhigen Gewissens verkraften, dass die Gewalt in den Medien so zugenommen hat – solange sie sich auch wirklich nur auf die Medien beschränkt. Weiterlesen

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JMStV oder Wer für Öffnungszeiten im Internet ist, frisst auch kleine Katzen

Das Thema Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (kurz JMStV) ist momentan in aller Munde. Deshalb möchte ich auch meinen Teil zu dem Gesetz in die Blogosphäre stellen. Wer sich bislang zu diesem Thema nicht wirklich Aufgeklärt fühlt bekommt jetzt eine kurze Zusammenfassung:

Ab dem 01.01.2011 tritt ein neues Gesetz in Kraft, welches dazu dienen soll, Rundfunkmedien nach Eignung für Kinder und Jugendliche einzustufen. Dazu gehört unweigerlich auch das Internet. Man hat sich dafür drei Möglichkeiten ausgedacht, welche man auch am 1. April hätte Publizieren können.
So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, die eigene Website nur zu bestimmten Zeiten zugänglich zu machen. „Diese Website Öffnet um 22 Uhr“.
Oder man sorgt für eine technische Lösung. Am besten noch mit Hochladen des Personalausweises und Webcam Authentifizierung…
Die dritte Möglichkeit, ist die einzig realistsche: Eine Grafik, welche darauf hinweist, für welches Alter die jeweilige Seite geeignet ist. Sollte man sich für keine dieser Maßnahmen entscheiden, so muss man mit einem Bußgeld rechnen. Dies trifft auch für Leute zu, die ihre Seite falsch eingestuft haben. Aber zum Glück gibt es auch Organisationen, wie die Freiwillige Selbstkontrolle Medien (FSM), die dies für einen Jahresbeitrag von 4000€ übernimmt
Ab Mitte nächsten Jahres soll es dann auch eine Softwarelösung in Form einer Kindersicherung geben, welche die Alterseinstufung auslesen soll. Die Kennzeichnungspflicht gilt übrigens nicht für Seiten wie Spiegel-Online oder der Bild, da sie Informationen fürs „Allgemeine Interesse“ bereitstellen. Also gibt es weiterhin das Bild-Girl des Monats und Bildmaterial aus Krisengebieten, während ein satirischer Text, erst ab 18 Zugänglich ist, da er von Kindern fehlinterpretiert werden könnte.
Wir machen mit dem Gesetz mehr kaputt, als dass wir etwas dazugewinnen. Gewaltverherrlichende Filme und Spiele, Alkohol, Drogen und Pornos sind ein weit größeres Laster unserer Gesellschaft und fügen bei minderjährigen und Erwachsen weit Größeren Schaden zu. Dabei gibt es Regeln und Gesetze die das ganze einschränken, was aber viele nicht davor bewahrt, mit 14 regelmäßig am Samstag mit einem Kater aufzuwachen. Minderjährige „Surfer“ werden Möglichkeiten finden auf ungeeignete Seiten zu kommen und die großen Fische werden ihr Angebot über ausländische Server verfügbar machen. Wirklich verhängnisvoll wird es nur für die kleinen Leute, weder Zeit noch Geld haben, um sich mit dem JMStV rumzuplagen.
Wer sich nun noch weitergehend mit dem Thema auseinandersetzen will sollte sich ein paar dieser Links zu Gemüte führen:

Wenn ich mit meinem Artikel nun ein wenig Tatendrang herbeigeführt habe, dann könnt ihr gern meinen Artikel verlinken oder ihn bei Facebook/Twitter teilen um mehr Leute darauf aufmerksam zu machen. Außerdem läuft momentan eine Petition gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag auf JMStV-Ablehnen.de

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The Social Network – Eine Filmrezension

Zugegeben:  ich habe mir mit der Kundgabe meiner Meinung zum Film extrem viel Zeit gelassen. Dabei war ich schon am 17. 10. Im Kino und habe bereits während der Vorstelllung und danach im Gespräch mit Schwester und Freund The Social Network gründlich auseinandergepflückt und beurteilt. Dass ich erst jetzt von mir hören lasse, schiebe ich meinem gerade begonnen Studium in die Schuhe. Ich hoffe, diese Taktik trifft auf Akzeptanz.

Soviel dazu. Viel interessanter ist jedoch, was ich aus David Finchers Werk über das Leben bzw. die Karriere des Mark Zuckerberg mitgenommen habe. Ich habe mich im Voraus selbstverständlich nicht gescheut, (die natürliche, jedem Menschen innewohnende Sensationslust spielte dabei keine geringe Rolle) ein halbes Dutzend Zeitungsartikel (u. a. Spiegel, Zeit, faz) über den Film zu lesen. Mein Fazit: „Mark Zuckerberg ist ein A***. Was für ein sozial gestörter Idiot! Ich melde mich bei Facebook ab!“

Wollte ich wirklich. Habe ich aber nicht gemacht. Denn der Film beleuchtet für mich eine Seite des Facebook-Hypes: das Handeln eines Menschen, der für eine Vision lebt und an ihr festhält, ja geradezu besessen von ihr ist. Mark Zuckerberg, ein Genie, wie schon das Filmplakat treffend verrät, ist mit seiner Idee des sozialen Netzwerkes zum Milliardär geworden. Auch das „ Verräter“ lässt sich in keiner Weise beschönigen. Vieles weist darauf hin, dass Zuckerberg die Winklevoss-Zwillinge systematisch hinters Licht führte.

Nimmt man jedoch den Film ernst und vertraut auf gründliche Recherche sowie Einfühlungsvermögen in die Charaktere, so wird schnell deutlich, dass Zuckerberg nicht der Einzige ist, der sich hier die Finger schmutzig macht. Für mich ist besonders Napster-Gründer Sean Parker (gespielt von Justin Timberlake) großer Antipathie-Träger. Während Zuckerberg vor Allem daran hängt, seinen Traum zu verwirklichen, wirkt der Business-erfahrene Parker  auf den Newcomer ein und spinnt Intrigen, um selbst ohne jeglichen Eigenaufwand ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzubekommen. Dass Freunde und Vertraute Zuckerbergs hierbei auf der Strecke bleiben, stört ihn keineswegs. Ohne Mark Zuckerberg von Schuld freisprechen zu wollen, denn trotz dieser Inschutznahme bleibt der Eindruck eines Menschen mit geringen sozialen Fähigkeiten bestehen,  ist fraglich, ob er als Fädenzieher der Facebook-Intrige zu betrachten ist.

Ab und an tut er einem leid und man empfindet sogar eine gewisse Sympathie ihmgegenüber.

Was erwartet den Zuschauer insgesamt? Gleich vorweg: The Social Network ist kein Kinofilm, denn zu keinem Zeitpunkt ist er vergleichbar mit Spektakel-Szenen à la Avatar oder Inception. Er bewegt sich irgendwo zwischen Thriller und Drama; am ehesten würde ich ihn als spannende Charakterstudie bezeichnen. Man begegnet vielen unterschiedlichen Typen die, meines Erachtens nach, alle gut verkörpert werden. Eine eher kühle, kontrollierte Atmosphäre halt den Zuschauer durchgehend auf einem angespannten Level, auf dem er etwa die Party in der Zuckerberg-Villa mit Argwohn und Unbehagen betrachtet und bereits beginnt, Übles zu ahnen.

Wer sich für die Hintergründe von Facebook interessiert, sollte den Film unbedingt gucken. Fakt ist, dass man sich von der ersten bis zur letzten Minute gut unterhalten fühlt.

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Das Internet – ein Tummelplatz für pädosexuelle Täter

So lautet zumindest eine der Kernaussagen der neuen RTL2-Dokumentation Tatort Internet. Die Sendung sollte eigentlich, so die Ankündigung RTL2s, über die Gefahren für Kinder im Internet aufklären. An sich eine lobenswerte Sache, die unterstützenswerter nicht sein könnte. Aber wir sprechen hier von RTL2 – jenem Sender, der mit abschreckend sensationsgeilen Pseudo-Dokumentationen wie Frauentausch oder Generation Ahnunglos das Niveau des deutschsprachigen Fernsehens auf eine Talfahrt geschickt hat.

Deswegen überrascht es mich nicht, dass mit Tatort Internet ein neuer Tiefpunkt erreicht worden ist. Ich finde es widerlich, wie im Zuge der “Recherche” Leute offensiv zu Verbrechen angestiftet werden, um sie dann medienwirksam mit versteckter Kamera verfolgen zu können. Meiner Meinung nach läuft die Sendung eindeutig auf eines hinaus: die Bevölkerung auf die geplanten Websperren, zusätzliche Maßnahmen zur Zensur und die fortschreitende Überwachung vorzubereiten. Denn nichts eignet sich besser zur Stimmungsmache gegen die Freiheit im Internet als Schlagworte wie Kinderschänder und Kinderpornografie.

Ohne die Sendung nun Wort für Wort auseinander zu nehmen – das geschah bereits auf heise und im Spiegel -, empfehle ich den folgenden Ausschnitt, um sich von dieser neuen Art der Gehirnwäsche ein Bild zu machen.

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Mark Zuckerberg – Wollen 500 Mio. Menschen wirklich mit ihm befreundet sein?

Seit 2006 hält und führt Facebook Menschen aus aller Welt zusammen. Die Erfolgsgeschichte des sozialen Netzwerkes ist unumstritten. Im Februar 2004 erstmals an der Harvard University als Studentennetzwerk gestartet, schoss die Anzahl seiner Mitglieder bis September 2006 auf 12 Mio. Nutzer  weltweit empor. Im Herbst 2010 sind es bereits über 500 Mio. Nutzer.

Der Mann an der Spitze des Imperiums, dessen Wert auf 20 bis 30 Milliarden Dollar geschätzt wird,  agiert jedoch seit Beginn seiner Karriere mehr oder weniger im Verborgenen. So nährt Mark Zuckerberg, 26, seinen Ruf als menschenscheuer Computerfreak. Wer in den letzten Jahren die Verhandlungen Facebooks mit Zuckerbergs ehemaligen Kommilitonen Cameron und Tyler Winkelvoss in den Nachrichten mit verfolgt hat, dem wird sich zusätzlich der Gedanke aufgedrängt haben, dass Zuckerberg 1. ein skrupelloser Ideendieb ist und somit 2. seinen Wahnsinnserfolg nicht verdient hat.

Es ist die Geschichte eines genialen Soziopathen, die ab Morgen der Film „The Social Network“ in den deutschen Kinos erzählt. Punk – Genie Verräter Milliardär. Reißerisch betitelt das Kinoplakat das neue Werk von Fight-Club-Regisseur David Fincher. Der konzentrierte sich bei seiner Recherche vor allem auf drei Quellen. Das Bild, dass sich aus Aussagen von Zuckerbergs erbitterten Feinden, den Winklevoss-Zwilligen, seinem ehemaligen guten Freund und Facebook-Mitbegründer Eduardo Saverin und E-Mails, die zwischen Zuckerberg und seinen „Vertrauten“ hin –und hergeschickt wurden, ergibt, enttarnt Zuckerberg als einen hinterlistigen Betrüger, einen „gemeinen Menschen“.   Bekannte Zuckerbergs sind teilweise sogar der Ansicht, jener käme im Spielfilm noch viel zu gut davon.

Zuckerberg selbst hat bereits verkündet, den Film nicht sehen zu wollen. Er spricht von „purer Fiktion“, versucht jedoch scheinbar, sich seines Images als Menschenhasser entledigen zu wollen: Gerade spendete der Unternehmer 100 Millionen Dollar an Schulen.

Wie viel ist dran an der Facebook-Story, die der Film erzählt? Ohne Frage ist Mark Zuckerberg mit Facebook ein immenser Coup gelungen – die Idee des sozialen Netzwerks stammt nachweislich jedoch nicht allein von ihm. The Social Network, ein Mix aus Thriller und Drama, schildert den Werdegang des Projekts und beleuchtet gleichzeitig die Abgründe, von denen der User nichts mitbekommt.

Ich werde mir den Film auf jeden Fall ansehen und dann berichten, was ich von der Sache halte. Falls er nicht die Wahrheit hinter Facebook offenbart, dürfte ich mich dennoch recht gut unterhalten fühlen. Zerrissen hat den Film zumindest noch kein selbst ernannter Filmexperte.
Einen kleinen Vorgeschmack bietet der unten eingebettete Trailer.
Der Film baut übrigens auf folgendem Buch auf: Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug

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Wie der Secondhand-Handel stirbt

Es soll Leute geben, die ersetzen ihr Auto häufiger als jeder Normalo, da sie die Zeit der ersten Reparaturen nie erreichen wollen. Dabei werden sie wohl auch darauf achten, dass ihr Auto einen möglichst hohen Wiederverkaufswert hat. So verkauft sich ein VW Golf wohl besser als ein Toyota Yaris. Wenn ich mir eine Nettigkeit aus dem Elektronikmarkt gönne, dann denke ich auch ähnlich. Da ist es dann lieber die Digitalkamera von Canon, als von Medion. Secondhand ist für den Verbraucher eine schöne Sache, kann man sich doch etwas von seinem Geld wiederholen. Das gleiche funktioniert jedoch auch mit virtuellen Güter, wie z.B. Musik, Filmen oder Spielen. Habe ich ein Spiel durchgespielt, eine Musik zu oft gehört oder kenne einen Film in und auswendig, dann habe ich das Medium eventuell satt. Will ich es nicht mehr haben, so wird es ein Leichtes sein, es bei eBay zu versteigern. Kaufe ich mir jetzt ein aktuelles Spiel, spiele es durch und verkaufe es in einem Monat weiter, dann hat sich der Preis wahrscheinlich nicht stark geändert und bei eBay wird es noch genug dafür geben. Damit habe ich vielleicht 10€ für einen 16 Stunden-Titel ausgegeben. Mehr wäre mir das dann auch nicht wert gewesen. Klar kann man sagen, dass man noch sogenannte ‘Archivements‘ jagen kann, aber das, sowie das Durchspielen in allen Schwierigkeitsgeraden, scheint mir doch mehr als pervers zu sein, um einen hohen Preis zu rechtfertigen. Und überhaupt, warum kosten die Neuerscheinungen fast alle gleichviel, wenn die Qualität sich doch so stark unterscheidet? Das sind Dinge, die die Industrie anscheinend noch nicht gelernt hat. 50€ für 16 Stunden Spielspaß – nein danke!

Also wird es nach dem Kauf und dem Durchspielen bei eBay angeboten. Der Entwickler macht damit seinen Umsatz, lässt das Produkt aber durch die Hände vieler Menschen gehen. Besser als eine Raubkopie, aber nicht genug! Aus diesem Grund setzen die Entwicklerschmieden heutzutage oft Mechanismen ein, die eine Online Registrierung voraussetzen: Für GTA IV ein Windows-Live-Account, für Call of Duty ein Steam-Account und für Starcraft II ein Battle.net-Account. Habe ich, wie beim letzten Beispiel, Starcraft II nun mit meinem Battle.net-Account verbunden, auf dem sich auch noch weitere Spiele befinden, dann kann ich keins davon einzeln wieder verkaufen – alles oder nichts!

Und das Ganze soll in Zukunft auch nicht besser werden, denn das US-Bundesgericht hat eine Entscheidung getroffen, die besagt, dass der Weiterverkauf von Software, deren Lizenzbestimmungen eben jenes untersagt, nicht gestattet ist. In dem Verfahren ging es zwar um den Verkauf von AutoCAD bei eBay, könnte jedoch auch in Zukunft zu ähnlichen Klauseln in der Spiele-, Musik- und Filmindustrie führen.

Fragt sich nur, ob man sich dann überhaupt noch in den Laden traut und sich stattdessen lieber in ‘On-Demand‘-Portalen umschaut.